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Besuch eines Marsmenschen

Gestern saß ich im Garten vor meiner Wohnung in Jerusalem und plötzlich erschien vor mir eine komische, grüne Gestalt. Ich erschrak und wollte davonlaufen, aber die Gestalt verformte sich in einen normalen Menschen und sprach mich an.

„Habe keine Angst, ich komme in Frieden. .“

„Wer bist du?“ Fragte ich, immer noch etwas erschrocken.

„Ich komme von dem Planeten, den ihr Mars nennt. Seit Jahrhunderten haben wir euere Zivilisation beobachtet und jetzt halten wir es an der Zeit mit euch Kontakt aufzunehmen. Man hat mich zu diesem Ort geschickt, weil es in dieser Stadt eine hohe Konzentration von Davenenergie gibt.“

„Wovon?“

„Auf meinem Planeten benutzen wir unsere Zeigefinger um Informationen zu übermitteln, berühre meinen Zeigefinger mit deinem und du wirst alles über Davenenergie und meinen Planeten erfahren.“ Antwortete der Marsmensch und hielt mir seinen Zeigefinger hin. Zögernd berührte ich seinen Finger und plötzlich befand sich Wissen in meinem Kopf, das vorher nicht da war.

„Wow, das ist ja echt der Hammer!“ Rief ich aus. „Man könnte Davenenergie als spirituelle Energie übersetzen, aber es ist nicht das gleiche.“ Fügte ich hinzu.

„Leider kannst du mir keine Information auf diesem Weg übergeben, du musst mir also alle Fragen auf die normale, mündliche Art beantworten.“ Sagte der Marsmensch zu mir.

„Was hast du denn für Fragen?“

„Es gibt einige Dinge, die uns nicht klar sind und wir dachten, es würde helfen, diesen Ort zu besuchen, der uns Kopfschmerzen macht. Würdest du mit mir zum Tempelberg gehen, während wir uns über diesen Ort unterhalten?“

„Natürlich, ich kann mit dir zur Klagemauer gehen, aber auf den Tempelberg selbst darf ich als Jude nicht.“ Antwortete ich.

Wir machten uns also auf den Weg zur Klagemauer in der Altstadt Jerusalems. Sie ist nicht weit von meinem Haus entfernt und nach etwa 20 Minuten waren wir da.

„Was ist das für eine Mauer, an der die Leute beten?“ Fragte der Marsmensch.

„Es ist die westliche Wand des Tempels der Juden, der vor etwa 2000 Jahren zerstört wurde.“ Erklärte ich. „Es ist der heiligste Ort für uns und er erinnert uns an die Zeit als wir hier einen Staat und den Tempel hatten.“

„Wie lange stand der Tempel hier?“

„Es gab zwei Tempel an genau dieser Stelle, sie standen beide fast 500 Jahre hier, insgesamt gab es also fast 1000 Jahre einen jüdischen Tempel an diesem Ort.“ Antwortete ich.

„Sehr interessant.“ Sagte der Marsmensch nachdenklich. „Was ist denn mit dem Tempel, der jetzt über der Mauer steht? Man sieht von hier seine schöne, goldene Kuppel.“

„Das ist kein jüdischer Tempel, sondern eine moslemische Moschee.“

„Warum haben die Moslems eine Moschee an dem Platz gebaut, auf dem euer Tempel so lange stand?“ Warf der Marsmensch ein.

„Das weiß ich nicht genau, ich glaube, sie denken, dass ihr Prophet von hier zum Himmel gefahren ist, oder so ähnlich.“

„Wann war das?“

„Vor über 1000 Jahren.“

„Entschuldige Michael, aber wir wissen, dass es die Technologie zum Himmel zu fliegen, erst seit etwa 100 Jahren auf der Erde gibt. Wie kann es jemand schon vor 1000 Jahren getan haben? Gibt es dafür Beweise?“

„Natürlich gibt es keine Beweise, es war ein Wunder.“ Erwiderte ich mit einem Achselzucken.

„Wir haben schon von diesem Konzept der Wunder gehört, aber das ist ein schwieriges Thema, sprechen wir lieber zuerst über die greifbaren Fakten. Gab es denn zumindest viele Zeugen des Himmelflugs des islamischen Propheten?“

„Also da bin ich überfragt.“

„Na gut, wie sieht es denn mit den jüdischen Fakten aus, gibt es Beweise, dass dies wirklich euer Tempel war?“

„Hier hast du doch die Steine vor dir!“ Rief ich aus. „Sie wurden untersucht, datiert und man fand sogar hebräische Inschriften und andere Anhaltspunkte. Außerdem haben immer Juden in Jerusalem und Israel gelebt, dieser Tempel war unser größter Schatz, er konnte nicht so leicht aus unserem Blick verschwinden. Auch wenn er teilweise verschüttet war.“

„Wurde der Tempel von den Moslems zerstört damit sie ihre Moschee hier aufbauen konnten? Es würde Sinn machen, denn vielleicht haben sie auch die Davenenergie hier gespürt.“ Gab der Marsmensch zu bedenken.

„Nein, nein, der Tempel wurde von den Römern zerstört, das war lange bevor es den Islam gab. Irgendwann fiel dieses Land jedoch unter moslemische Herrschaft und sie erbauten dann ihre Moschee hier.“ Erläuterte ich.

„Verstehe, aber jetzt ist das Land doch wieder unter jüdischer Herrschaft, warum baut ihr euren Tempel nicht wieder auf?“

An dieser Stelle musste ich lachen. „Du kannst dir nicht vorstellen, was passieren würde, wenn wir diese Moschee anfassen würden. Es würde den dritten Weltkrieg auslösen! Vor einigen Jahren besuchte ein jüdischer Politiker den Tempelberg und es löste einen langjährigen Krieg mit der moslemischen Bevölkerung aus. Außerdem glauben die Juden, dass der Messias den dritten Tempel aufbauen wird, es muss also jemand von Gott gesandt werden um das zu tun. Wenn der richtige Zeitpunkt dafür gekommen ist, werden wir es schon merken.“

„Und so lange betet ihr an dieser Mauer mit dem fremden Tempel oben drauf, obwohl ihr die Macht hättet euren eigenen hier aufzustellen.“ Fasste der Marsmensch zusammen. „Ich kann gut verstehen, dass die Moslems ihren Tempel hier errichtet haben, dies ist ein sehr spiritueller Ort, aber ich kann wirklich nicht verstehen, dass Israel ihn nicht entfernt hat. Es ist das erste mal in der Geschichte dieses Planeten, dass die Herrscher eines Ortes in so einer wichtigen Angelegenheit Rücksicht auf eine Minderheit genommen haben. Hinzu kommt, dass es ja die moslemischen Nachbarn waren, die Israel mehrmals angegriffen haben, es gibt also keinen Grund für diese entgegenkommende Behandlung einer feindlichen Bevölkerung. Unter jordanischer Herrschaft bis 1967 wurden die jüdischen Synagogen dieser Stadt ohne viel Umstände zerstört, die Israelis hätten das genauso tun können“

„Tja, wir versuchen es eben besser zu machen.“ Antwortete ich.

“Und wird es euch gedankt?“     Fortsetzung folgt…….