Ausschlafen, Cerealien und Tee. Ein Interview mit Dipl. Biologe Karl Rähe über eine neue Diät
Ausschlafen, Cerealien und Tee
Ich sprach mit Diplom Biologe Karl Rähe über eine neue Form der Diät, die er an sich selbst ausprobierte. Herr Rähe nahm in einem Monat etwa 10kg ab, durch intensives World of Warcraft (WoW) spielen.
Michael: Herr Rähe, haben Sie beim PC spielen gehungert?
Karl Rähe: Nicht nur, ein hoher Adrenalin spiegel, eine erhöhte Grundanspannung sorgen für einen höheren Energieumsatz. Das führt wiederum zu erhöhter Fettverbrennung. Dabei ist es wichtig PvP und Instanzen zu spielen, das normale questen verleitet eher zum pausieren und naschen. Im PvP- und Instanzenmodus ist Dauerstress angesagt, manchmal stundenlang.
Am PC kann man den aufkommenden Hunger gut überwinden, oder zumindest besser ignorieren als bei körperlicher Tätigkeit. Um den gröbsten Hunger zu überwinden empfiehlt sich grüner Tee, Obst und Salat.
M: Also gehört auch etwas Disziplin dazu?
KR: Ja, aber es ist sehr viel leichter, da man wirklich sehr gut abgelenkt wird.
M: Was für Kosten sind mit dieser Diät verbunden?
KR: Man braucht eine Internet Flatrate, das WoW Einsteiger Set kostet etwa 20 Euro für sechs Wochen und danach 12 Euro monatlich. Mehr Kosten fallen nicht an, man spart sogar da man wenig isst und immer zu Hause ist.
M: Darf man seine Freunde nicht treffen?
KR: Darauf sollte man möglichst verzichten. In Gesellschaft wird man häufig zum essen verführt, man kann seine Freunde ja auch im Spiel treffen und mit ihnen einige Quests lösen.
M: Wie sieht ein Tagesablauf während Ihrer Diät aus?
KR: Ausschlafen, Cerealien und Tee zum Frühstück. Dann sollte man etwas questen, also normale Aufträge bei WoW erledigen, da am Morgen nicht so viele Spieler online sind. Nach einigen Stunden kann man ein zweites Frühstück in Form eines Apfels zu sich nehmen. Am Nachmittag kann man sich eine Spielpause für etwaige Erledigungen gönnen und danach sollte man sofort beginnen PvP und Instanzen zu spielen, da jetzt der große Hunger beginnt und man ihn so vergessen kann. Währenddessen sollte man immer eine Tasse Tee trinken, wenn das Spielgeschehen es zulässt. Am Abend sollte eine Suppe und ein Stück Schwarzbrot genügen, es ist die letzte Mahlzeit des Tages. Gespielt wird dann so lange wie man Lust hat und ermüdet ins Bett fällt. Liegestütze während des Tages verhelfen sogar noch zu einer guten Figur. Wenn man das eine Woche durchzieht, hat man schon einige Kg weniger.
M: Was ist mit Leuten, die arbeiten und nicht ausschlafen und bis spät in die Nacht spielen können?
KR: Für die ist diese Diät ungeeignet. Vor allem wenn man körperlich arbeitet braucht man Energie, die in Form von Nahrung in den Körper gelangt. Meine Diät ist wirklich nur etwas für Menschen, die nicht täglich arbeiten, aus welchen Gründen auch immer. Man könnte sie auch die HarzIV Diät nennen.
M: Warum muss es denn WoW sein? Kann nicht jedes PC Spiel den Hunger vergessen lassen?
KR: Wie schon gesagt, wird beim WoW spielen der Adrenalin spiegel stark erhöht. Das besondere hier ist, dass man mit seinem Charakter gegen andere menschliche Gegner kämpft, oder bei Instanzen mit menschlichen Helfern gegen riesige Monster. Wenn man in so einem Spiel ist, kann man nicht einfach mal weggehen um etwas zu essen, überhaupt vergisst man die Zeit beim spielen und ein Tag geht schneller vorbei als man sich vorstellen kann. Ich spiele zum Beispiel auch gerne Civilisation, das ist ein Spiel, das auf Runden basiert. Dort kann man zwischen den Runden immer mal aufstehen und zum Kühlschrank gehen, auch beim Multiplayer-Online Modus.
M: Wird bei Ihrer Diät nicht einfach Esssucht gegen Spielsucht vertauscht?
KR: WoW hat auf jeden Fall großes Suchtpotential, das kann man nicht leugnen. Man muss sich immer wieder bewusst machen, dass es letztendlich nur ein Spiel zur Unterhaltung ist und die wirkliche Welt draußen vor der Tür ist.
M: Wie kommen Sie wieder vom Spielen runter?
KR: Im Juni beginne ich mit meiner Dissertation in Bern und dann werde ich kaum noch Zeit haben viel zu spielen. Ich habe mit WoW die Zeit zwischen Diplom- und Doktorarbeit überbrückt, da ich auch nicht viel Geld habe, um auszugehen war das quasi eine gute Möglichkeit trotzdem Menschen kennen zu lernen.