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Wie man mit Wohlstand umgehen sollte

Stell dir folgendes Szenario vor: du hast gerade dein Studium beendet und fängst einen gut bezahlten Job an. Auf einmal hat sich dein Einkommen um einiges vervielfacht, du lebst nicht mehr von Bafög und billigen Studentenjobs, sondern hast vielleicht einige tausend Euro regelmäßig pro Monat zur Verfügung. Jetzt ist die Zeit für alle materiellen Wünsche, die du dir als Student nicht erfüllen konntest. Auto, gute Wohnung, Reisen, vielleicht sogar sparen und so vieles mehr. Aber ist das genug? Hast du jetzt vielleicht auch moralische Verpflichtungen als wohlhabender Mensch?

Die Bibel hat zu diesem Thema einiges zu sagen. Zum Einen soll man die Früchte seiner Arbeit durchaus für sein Wohl nutzen, die Welt und ihre Freuden sind dazu da, vom Menschen genossen zu werden. Aber dabei sollen wir nicht die Benachteiligten unter uns vergessen. Ein Jude ist Verpflichtet 10% seines Einkommens für wohltätige Zwecke zu spenden, was nicht gerade wenig ist. Es zeigt aber schon mal eine Richtung für unser Handeln an, denn zum einen ist es eine Verpflichtung und zum anderen wird ein nicht geringer Betrag festgesetzt. Die Bibel vertraut dem Menschen also nicht, sich auf freiwilliger Basis und in gerechter Weise um Bedürftige zu kümmern. Das Spenden ist auch intuitiv nicht unbedingt nachzuvollziehen, ich arbeite, warum soll ich etwas vom Lohn dafür abgeben? Während die klassische Ökonomie dem Rechnung zollt, indem sie das Einkommen in Konsum und Ersparnis aufteilt, geht die Ökonomie der Bibel (die ich hiermit gründe) einen Schritt weiter und fügt dieser Gleichung noch die Variable „Spenden“ hinzu. Es ist ja schließlich eine Verpflichtung.

Jetzt sind uns Verpflichtungen aus der Bibel normalerweise ziemlich egal und deswegen muss ich die ganze Sache kabbalistisch begründen. Im Artikel „Einführung in die Kabbalah“ habe ich das spirituelle Universum beschrieben, das die Abläufe in unserem materiellen Universum steuert. Ein Prinzip dieser Steuerung besteht darin, dass es Belohnung und Strafe für unsere Taten gibt. Das bedeutet, dass es unsere Aktionen sind, die beeinflussen was uns im Leben passiert. Man kann es sich, sehr vereinfacht, so vorstellen, dass ein Engel zu Gott kommt und ihm sagt:“ Schau mal, Hans hat eine große Summe für eine Schule in Neuköln gespendet.“ Daraufhin erwiedert Er:“ DAS IST ABER NETT, DAFÜR WERDE ICH IHM FÜR SEIN PROJEKT AUF DER ARBEIT EIN ERFOLGREICHES ENDE BESCHEREN, DENN ER WEIß MIT SEINEM GELD UMZUGEHEN.“ Der Kauf eines neuen Autos hingegen, wird keinen Engel in Bewegung setzen.

Das Maß, nach dem Strafe oder Belohnung vergeben wird, könnte man so formulieren: Du bekommst heraus, was du herein steckst. Je größer also die gute oder schlechte Tat, desto größer fällt die Antwort des spirituellen Systems dafür aus. Die Größe einer Tat ist jedoch nicht nur quantitativ, sondern wird auch davon beeinflusst wie man etwas tut. Bei einer Spende zum Beispiel, sollte man es in einer Weise tun, die den Beschenkten nicht als armen Schmarotzer dastehen lässt. Seine Würde soll bewahrt werden. Auch soll man sein Ego aus der Sache heraus lassen und sich nicht als großen Wohltäter darstellen. Bewunderung anderer Leute für seine Tat ist schon eine Belohnung, die man in diesem Universum erhält und wird deswegen von der Belohnung des spirituellen Universums abgezogen. Genauso verhält es sich wenn man Dank für seine Tat bekommt. Aus diesem Grund ist es am Besten anonym zu spenden, niemand weiß von der guten Tat, außer den Engeln und die Belohnung wird deswegen umso höher ausfallen. Noch ein Faktor kommt hinzu. Ein Jude ist verpflichtet zu spenden, ein Nichtjude dagegen nicht. Für eine Verpflichtung ist die Belohnung nicht sehr groß, man muss es ja tun. Wenn jemand aber nicht verpflichtet ist zu spenden, es aber trotzdem tut, um wie viel größer wird seine Belohnung ausfallen!

Man kann sich also überlegen, ob, wieviel und wie man seinen Wohlstand für gute Zwecke einsetzt. Es ist eine durchaus ökonomische Entscheidung, denn der gespendete Betrag ist eine Art Versicherung für ein besseres Leben. Hinzu kommt natürlich noch das gute Gefühl anderen Menschen zu helfen.