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Einführung in die Kabbalah

Ich lese gerade ein Buch über Kabbalah, es ist wirklich sehr interessant aber auch sehr kompliziert. Ich bin schon fast durch mit dem Buch und verstehe kaum noch etwas, den Anfang aber habe ich verstanden und ich möchte ihn euch hier erläutern. Ein weiser Rabbi sagte vor etwa 100 Jahren, dass die Kabbalah das wichtigste Werkzeug des Judentums wird in der Neuzeit, was Sinn macht, denn die Kabbalah erklärt alles. Es reicht heutztage nicht mehr zu sagen, Gott hat es befohlen, also tue es, man verlangt Erklärungen und die bietet die Kabbalah. Aber fangen wir von vorne an.

Kabbalah bedeutet empfangen, was impliziert, dass es sich um eine bestimmte Art von Weisheit handelt, die empfangen wird. Ein alter jüdischer Text besagt, dass Moses die Torah im Sinai empfangen und sie an Josua weitergegeben hat. Josua gab sie weiter an die Älteren, die Älteren gaben sie weiter an die Propheten und sie gaben sie weiter an die große Versammlung. Moses gilt als der Meister aller Propheten, er hatte direkten Kontakt zu Gott wie niemand sonst. Sein Wissen gab er weiter an Josua und so weiter. Es handelt sich dabei um das Wissen mit Gott in Kontakt zu treten, also Prophezeiungen empfangen zu können.

Während der Zeit der Propheten wurde die Kabbalah von ihnen geschützt und an auserwählte Schüler weitergegeben. Dabei war die Bundeslade (http://de.wikipedia.org/wiki/Bundeslade) und später der Tempel in Jerusalem der Ort, an dem man Prophezeiungen empfangen konnte. Als der Tempel im Jahre 598 v. Chr. zerstört wurde, empfing Esechiel eine Vision, die genau beschrieb wie man die verschiedenen Stufen überwindet, die zu Prophezeiungen führen und so mit Gott in Kontakt tritt. Er schrieb diese Vision auf, jedoch in sehr obskurer Form, so dass man immer noch einen Lehrer brauchte um es zu verstehen. Denn das Wissen sollte nicht verloren gehen im babylonischen Exil, wo Esechiel seine Prophezeiung empfing, es sollte aber nur einem sehr kleinen Kreise ausgewählter, weiser Leute bekannt sein. Zu dieser Zeit endete auch die Epoche der Propheten, das Wissen darüber sollte aber erhalten bleiben.

Als im Jahre 70 n. Chr. Der zweite Tempel zerstört wurde und die Römer die Juden aus ihrem Land vertrieben, war das Wissen in Gefahr verloren zu gehen und wurde noch einmal in einer etwas verständlicheren Form, vor Allem von Rabbi Akiba, aufgeschrieben. Seine Schüler setzten seine Arbeit fort und schrieben weitere Bücher über die Kabbalah, die sich meist mit Meditationstechniken befassten, die zu Prophezeiungen führen. Diese Schriften waren aber immer noch so formuliert, dass man überhaupt nichts versteht ohne mündliche Unterweisung eines Lehrers. Es waren sehr poetische Texte, die aber bei einfachem lesen keinen Sinn ergeben, es reichte aber um die Tradition vor dem Niedergang zu retten. Unter diesen Texten ragt vor Allem die Zohar heraus, das Buch, auf dem das meiste des heutigen Wissens basiert. Erst im 16. Jahrhundert wurde auch eine Erklärung zu diesem Buch vom Ari (Rabbi Isaac Luria) verfasst. Mit dieser Anleitung kann man die Zohar verstehen, es enthält wieder Meditationstechniken, theoretische Erläuterungen und Anleitungen wie man das Wissen der Kabbalah in der Praxis umsetzt. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Kabbalah nicht alleine existieren kann. Sie braucht die Torah als Basis, es gibt kein kabbalisitsches Werk, das nicht Zitate aus der Bibel oder des Talmuds enthält. Torah, Talmud und Kabbalah arbeiten eng zusammen.

Es gibt drei Arten von Kabbalah: theoretische Kabbalah, meditative Kabbalah und praktische Kabbalah. Die theoretische Kabbalah beschreibt die spirituelle Welt während die meditative beschreibt wie man in diese Welt gelangt. Oft ist es so, dass man das Wissen der theoretischen Kabbalah braucht um sich in der spirituellen Welt zurecht zu finden, wie eine Landkarte in unbekanntem Gebiet. Die praktische oder magische Kabbalah beschreibt schließlich wie man die spirituellen Kräfte benutzen kann, um die materielle Welt um uns herum zu verändern.

Was bedeutet das alles konkret? Um das zu beantworten, müssen wir zwei Axiome des jüdischen Glaubens analysieren. Das erste besagt, dass Gott absolut eins ist, eine absolute Einheit, ohne irgendwelche Struktur, Form oder Ähnliches. Es stellt sich hier die Frage wie etwas außerhalb dieser absoluten Einheit bestehen kann, wie interagiert die Einheit mit seinen vielen Schöpfungen? Das andere Axiom besagt, dass Gottes Wesen so mächtig ist, dass es versteckt sein muss damit eine Schöpfung überhaupt existieren kann, wenn Gott sich jedoch komplett zurückziehen würde, würde seine Schöpfung auch sofort aufhören zu existieren. Es entsteht also das Paradox, dass es extrem unwahrscheinlich wird, dass überhaupt etwas anderes als Gott existiert. Unsere Frage lautet jetzt nicht mehr, wie interagiert das Eine mit dem Vielen, sondern wie kann das Viele (unsere Welt) überhaupt existieren?

Die Kabbalisten beantworten unsere Fragen damit, dass Gott eine spirituelle Dimension geschaffen hat. Diese Dimension besteht aus allen Konzepten, die nötig sind damit unser Universum funktioniert. Durch diese spirituelle Welt interagiert Gott mit seiner Schöpfung. Sie formt eine Brücke zwischen Gott und der Schöpfung und arbeitet als Filter, der Gottes Essenz verbirgt damit wir davon nicht überwältigt werden, trotzdem aber seine Schöpfung mit ihr durchtränkt. Man kann es sich wie einen riesigen spirituellen Computer vorstellen, der entwickelt wurde um Gottes Ziel für die Welt (das größtmögliche Glück für seine Schöpfung) zu verwirklichen. Der Unterschied zu einem Computer ist jedoch, dass die spirituelle Dimension aus fühlenden, intelligenten, spirituellen Wesen besteht.

Was bringt uns dieses Wissen jetzt? Wenn wir das Beispiel des Computers weiterdenken, kommen wir zu einer sehr wichtigen Einsicht für unser tägliches Leben. Stellen wir uns vor, der Computer regelt den Verkehr in einer Großstadt, er schaltet Ampeln um, gibt Stauwarnungen aus und so weiter. Am Computer sitzt sein Programmierer, der überwacht, dass alles reibungslos abläuft. Die Verkehrsteilnehmer sind die Menschen, die einen eigenen Willen haben, deren Gesellschaft aber irgendwie gesteuert werden muss. Der Programmierer ist Gott, der nicht einschreitet wenn alles gut läuft und der Computer, oder die spirituelle Dimension alles auf der Erde gut reguliert. Gott setzt also die Verkehrsregeln unserer Welt fest und wenn sich alle daran halten, funktioniert der Verkehr reibungslos. Wenn aber einige Leute zu schnell fahren, Unfälle provozieren und gegen die Regeln verstoßen führt das zu Staus und der Computer muss eingreifen. Im schlimmsten Fall übernimmt der Programmierer selbst das Kommando und ändert die Regeln so wie er es für richtig hält.

Was lernen wir aus dieser Analogie? Zuerst, dass die Welt theoretisch reibungslos funktionieren kann, das System wurde ohne Fehler entworfen. Was Störungen im System hervorruft sind die Verkehrsteilnehmer selbst, also wir. Daraus folgt, dass wir uns einfach an die Regeln halten müssen damit unsere Welt funktioniert. Und zwar jeder einzelne. Wenn jemand einen Unfall in Berlin Kreuzberg verschuldet, kann das Folgen für den Verkehr bis nach Neukölln haben. Jeder ist also für sein eigenes Leben verantwortlich und das der Leute um ihn herum. Die Frage ist nur, welche Regeln es sind, die man beachten muss. Für die Kabbalisten ist die Antwort einfach, die Regeln der Torah. Für uns Kinder der westlichen Welt ist die Antwort nicht so einfach, die Regeln der Torah kommen uns sehr altertümlich und teilweise sinnlos vor. Es gibt aber einige, denen wir gerne zustimmen und an die können wir uns halten. Wenn man sich für den Anfang nur an die zehn Gebote der Bibel halten würde, würde unser Verkehr schon sehr viel besser funktionieren. Hier sind sie noch einmal zur Erinnerung:

 

  1. Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe.
    Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
  2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel,
    noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!
    Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten.
  3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen;
    denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.
  4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest.
    Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun.
    Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes.
    Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt.
    Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage.
    Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.
  5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren,
    auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.
  6. Du sollst nicht töten.
  7. Du sollst nicht ehebrechen.
  8. Du sollst nicht stehlen.
  9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
  10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
    Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel noch alles, was dein Nächster hat.