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Vor zwei Monaten bin ich in eine neue Wohnung in Jerusalem gezogen, die ich mir mit drei Mitbewohnern teile. Einer davon ist Dave aus Kalifornien, der gerade in Israel eingewandert ist. Er ist 25 Jahre alt, religiös, blond mit blondem Bart und er ist Rapper.

Dave hat längere Zeit in einer Chabad Jeshivah gelernt, was ihm sehr gefallen, ihn stark geformt hat und ihn zu einem sehr frommen Menschen gemacht hat, denn ein Chabad Chassid hat sehr strenge religiöse regeln für sein Leben. Andererseits ist die Chabad Gemeinschaft für ihre „Vabrengings“ berühmt. Dieser Name erinnert stark an das deutsche Wort verbringen und kommt wahrscheinlich aus dem jiddischen, dem die amerikanischen Chassiden ein englisches „ing“ angehängt haben, und bedeutet genau das: Zeit miteinander zu verbringen. Bei einem Vabrenging geht es darum viel Alkohol zu trinken, zu singen, zu tanzen und sich Geschichten aus der Bibel, oder aus der Zeit zu erzählen als die Chassiden noch in Osteuropa und nicht in New York gelebt haben. Natürlich sind bei solchen Vabrengings nur Männer, was bei den Mengen Alkohol keine schlechte Idee ist.

Zurück zu Dave dem rappenden Chassid. Nachdem er ein Jahr in der Chabad Jeshivah gelebt hat, was ein großer Spaß war, hat er beschlossen Israeli zu werden. Damit war der lustige Teil seines Israelaufenthalts erstmal vorbei, es kam sogar der Vertreibung aus dem Paradies gleich. In der Jeshivah wuchs das Essen sozusagen auf den Bäumen, er musste nur zur richtigen Zeit in der Kantine erscheinen und wurde gefüttert. Natürlich gab es auch einen Putzservice für Badezimmer und öffentliche Räume. Alles was Dave tun musste war zu lernen, was ihm nicht schwer fiel und sogar Spaß machte. Wer würde nicht gerne über die Geheimnisse der Welt und des Menschen lernen? Kabbala ist ein wichtiger Teil der chassidischen Lehre und auch die Bibel wird auf diese Weise interpretiert, was sehr spannend ist. Und dann gibt es natürlich noch die Vabrangings, die ziemlich oft vorkommen. Man kann es sich so vorstellen wie auf Klassenfahrt mit subventioniertem Alkohol und Pflicht zu feiern.

Als Rapper ist man für so eine Gesellschaft natürlich eine große Bereicherung, was Dave schnell bemerkt hat, denn er hat einige Lieder für seine neue Fangemeinschaft geschrieben. Bevor Dave religiös wurde lebte er in L.A., rappte er über Frauen, Drogen und andere Klischees, er war relativ erfolgreich, er ging auf Tourneen, sogar einmal mit jemandem vom Wu Tang Clan und er hatte weibliche Fans. Als er aber die Wahrheit der Torah erkannt hatte und die Matrix durchschaute, in der die westliche Welt gefangen ist, besonders das Showbusiness, änderte er sein Leben von Grund auf. Na ja, nicht ganz, Alkohol ist immer noch ein großes Thema bei ihm.

Für sein neues Publikum von meist amerikanischen Bibelschülern hat Dave einige neue Lieder geschrieben, die jetzt viel spiritueller sind und vom Judentum handeln. Sein größter Hit heißt „We re bringing it back!“ Es geht in diesem Lied darum, dass sich die Juden seit Jahrhunderten in ihre Gastvölker assimiliert haben und dabei ihre jüdischen Gebote vergessen haben. Jetzt gibt es aber eine große Bewegung von jungen Juden, die zurück ins orthodoxe Judentum kommen, das ihre Vorfahren tausende Jahre lang gelebt haben. Meist findet sich unter den amerikanischen Mitschülern auch jemand, der beatboxen kann und Dave bei seiner Performance begleitet. Unter Zischen, Trommeln, Klatschen und anderen rythmischen Geräuschen setzt Dave bei den Vabrengings dann zu rheimen an:   So many generations of assimilations its time to get on traaaaack!

So many generations we re bringing it baaaack! Diese Zeiten sind für Dave aber jetzt vorbei, denn er hat einen Job angenommen und er lernt in einem Ulpan hebräisch für Einwanderer. Der Ulpan macht ihm viel Spaß und nach der Jeshivah fällt ihm das Lernen prinzipiell nicht schwer, vorher hat er ja den ganzen Tag nichts anderes gemacht. Außerdem ist seine Klasse, im Gegensatz zur Jeshivah, gemischt und der sympathische Dave erzählt mir oft von Mädchen, die er dort kennengelernt hat.

Von 15.00 Uhr bis Mitternacht arbeitet Dave bei einer amerikanischen Firma, die eine interessante Marktlücke gefunden hat. Dave ruft Import/Export Firmen an, die Probleme mit Ladungen haben, die nicht durch den amerikanischen Zoll gekommen sind, oder die der Besteller nicht mehr haben will. Diese Ladungen kauft Daves Firma auf und verkauft sie wieder auf dem freien Markt. Dabei kommen manchmal interessante Käufe zustande: Einmal hat Dave einen Traktor erworben, einmal einen Kontainer T-shirts und fast hätte er eine Ladung abgelaufener Kondome gekauft, die man umetikettieren könnte. Aber als ehemaliger Bibelschüler hat Dave ein gut trainiertes Gewissen, das ihm diese Transaktion letztendlich nicht erlaubte. 

   Dave                                     


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