Auf

Von meinem Dach in Jerusalem hat man eine wunderbare Aussicht. Auf der einen Seite sieht man arabische Dörfer auf den Hügeln rings um der Stadt. Weiter links begegnet die neue Stadt dem Blick und man erkennt den modernen Busbahnhof, einige Hochhäuser und die Baustelle der neuen Straßenbahn, die Jerusalem zu einer wirklichen Großstadt im europäischen Stil machen soll. Vom Dach kann man sogar einige Kirchtürme und Minarette der Altstadt sehen, die nur einige Gehminuten von meinem Haus entfernt ist.

Hier sitze ich mit Meir und rauche eine Nargilla. Es ist zwar schon Ende November, aber wenn die Sonne tagsüber scheint, ist es noch sehr warm. Ein kühler Wind weht die Rauchsäule in Richtung Altstadt als ich Meir das Mundstück der Wasserpfeife übergebe.

„Ich kann dir sagen Misha (so nennen mich hier meine Nachbarn), es ist nicht leicht mit dem Rauchen aufzuhören. Diese Nargilla wirkt nicht. Es ist zwar das Beste, was die Araber je erfunden haben, aber ich will eine richtige Zigarette!“

„Warum hörst du überhaupt mit dem Rauchen auf?“ Frage ich.

„Es ging nicht mehr weiter so. Ich habe alle zehn Minuten eine Zigarette geraucht! Und abgesehen von den Gesundheitsproblemen, kann ich es mir nicht mehr leisten“ Willst du mitkommen zum Joggen?“

„Nein danke.“

„komm mit, es ist gut für dich! Ich brauche eine Ablenkung!“

„Was hat deine Ablenkung mit mir zu tun? Ich jogge nicht gerne, aber du kannst freitags zum Fußball mitkommen.“

„Ah Fußball! Ich will joggen! Komm, wir gehen gleich heute Abend!

„Ich habe wirklich keine Lust zu joggen. Rauch erstmal die Nargilla zu Ende und dann können wir weiter sehen.“ Sage ich in der Hoffnung, das Thema joggen damit abzuschließen.

Meir ist mittelgroß, hat langes rotbraunes Haar und deutlich jüdische Gesichtszüge. Eine große Nase, helle Haut und ein ausgeprägtes Kinn. Seine Familie stammt aus Ungarn, aber Meir wurde in einer Vorstadt Jerusalems geboren, wo er zum typischen Israeli aufwuchs. Nach seinem Armeedienst, den er an der libanesischen Grenze abgeleistet hat, reiste er einige Jahre durch China und Südostasien. Der Armeedienst, die Reisen und ein Krieg im Libanon, haben in Meir ein unbeugsames Selbstvertrauen erzeugt. In diesen Zeiten war er lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt, was könnte ihn danach noch aus der Fassung bringen? Zigaretten ist die traurige Antwort. Hier auf dem Dach ist Meir noch hyperaktiver als normalerweise, was ich nicht für möglich gehalten hatte.

„Misha, ich habe seit zwei Tagen kaum geschlafen. Ich träume von Zigaretten wenn ich doch einmal einschlafe. Ich habe sogar noch welche in meiner Schublade, aber habe sie nicht angerührt!“

„Kol ha kavod!“ (Alle Achtung!) antworte ich mit echten Respekt.

In diesem Augenblick klingelt mein Handy. Es ist Wadim, er steht vor meiner Tür und fragt wo ich denn stecke. Ich dirigiere ihn am Telefon auf das Dach und Wadim kommt schließlich mit einer Zigarette im Mund auf uns zu.

„Das ist genau was wir jetzt brauchen! Komm mit der Zigarette nicht näher, wir haben hier einen Patienten!“ Schreie ich ihm zu.

Wadim ist kräftiger Typ, mit kurzgeschorenen Haaren, der sich nicht so leicht einschüchtern lässt. Er arbeitet als Nachtwächter in einem Hostel und trägt deswegen eine Pistole mit sich herum. „Was ist denn los?“ Fragt Wadim indem er den Rauch seiner Zigarette auspustet. Er kommt näher und da er Meir kennt, bietet er ihm eine Zigarette an. „Nein danke, ich rauche nicht mehr.“ Sagt Meir mit einem breiten Grinsen.

„Kol ha kavod! Wie lange schon?“

„Seit vier Tagen.“

Jetzt versteht Wadim auch endlich meine Anspielung und wirft seine Zigarette vom Dach. Dafür greift er sich die Nargilla, die er mit Genuss einzieht.

„Ah, gut.“ Wadim knöpft seine Jacke auf, setzt sich auf den Boden neben uns und schaut sich um. „Ich war noch nicht auf diesem Dach, es hat eine gute Aussicht. Was für ein Haus ist das hier?“

„Ich weiß nicht.“ Antworte ich.

„Es gehört einigen Schweden, sie kommen manchmal für einige Wochen hierher.“ Informiert uns Meir, der schon länger in der Gegend wohnt als ich.

„Schöne Villa.“ Bemerkt Wadim. „Haben sie einen Sicherheitsdienst, der ihr Haus bewacht, wenn sie nicht da sind?“

„Ich glaube nicht, habe niemanden gesehen.“ Sage ich, „Vielleicht solltest du mal anklopfen und fragen, ob sie dich brauchen.“

„Das würde ich gerne machen, aber sie haben bestimmt schon jemanden, oder sie brauchen es nicht.“

„Du kannst sie ja dazu bringen, einen Sicherheitsdienst zu brauchen!“ Lacht Meir, der schon einen Plan parat hat. „Du gehst rüber, zerstörst einige Möbel, klaust einige Wertsachen und schreibst eine Nachricht ganz groß auf ihre Wand, in der du dich als ihr Sicherheitsmann bewirbst. Vergiss deine Telefonnummer nicht und sie werden sich sicher bei dir melden!“

„Das ist keine neue Idee.“ Antwortet Meir ernst. „In Tel Aviv, wo die reichen Leute ihre Häuser bauen, bekommen sie Besuch von einigen Beduinen, die sich als Sicherheitsmänner bewerben. Werden sie abgelehnt, tun sie genau was du gerade gesagt hast, sie klauen und zerstören die Baustelle, oder das Haus. Dann, wenn sich die Eigentümer nach einem Sicherheitsdienst umsehen, kommt eine seriöse israelische Firma, die ihnen verspricht mit dem Problem fertig zu werden. Vor kurzem ist jedoch herausgekommen, dass diese Firma mit den Beduinen unter einer Decke steckt und sie bezahlt.“

„Na siehst du, was in Tel Aviv läuft, läuft hier erst recht! Ich kenne sogar einige Beduinen, die wir anheuern können!“ Ruft Meir und nimmt die Nargilla aus Wadims Hand. Wadim lacht aber nur und lässt das Thema auf sich beruhen. Seine Hand geht zu seiner Jackentasche, er will sich schon eine Zigarette anzünden, aber, nach einem Blick auf Meir, steckt er sie doch wieder in die Packung.

„Du kannst ruhig rauchen, ich habe kein Problem damit. Willst du mitkommen zum Joggen?“

Wadim zieht nur seine Augenbrauen zusammen und sieht mich fragend an. „Es ist gesund für dich!“ Gebe ich ihm zu bedenken.

„Ja, komm mit, ich habe keine Lust alleine zu joggen!“

„Pf! Ich gehe doch nicht joggen!“ Antwortet Wadim und zündet sich doch noch eine Zigarette an.

„Siehst du! Das ist genau dein Problem!“ ruft Meir und springt auf. „Hör auf zu rauchen und komm mit joggen!“ Wadim lacht und zieht genüsslich an seiner Zigarette. „Mach du nur, mir gehts gut.“

„Fünf Meter von unserem Haus ist eine Synagoge, geh doch dorthin, da kannst du all deinen Frust mit Gott teilen.“ Schlage ich Meir vor.

„Ja ja genau. Ich würde lieber in eine Kirche gehen, da haben sie wenigstens Weihrauch.“ Antwortet Meir. „Hauptsache, du ersetzt deinen Marlboro Gott mit einem anderen.“ Sagt Wadim.

„Es sollte schon der echte Gott sein, den man anbetet.“ Gebe ich zu bedenken.

„Ich will niemanden anbeten! Ich will rauchen!“ Schreit Meir. „Lasst uns alle drei jetzt joggen gehen, das wird uns vom Rauchen ablenken.“ Wadim amüsiert sich mittlerweile sehr gut und sagt lachend:

„Jetzt wird Jogging dein neuer Gott, Meir. Du läufst von einem Götzen zum nächsten, zuerst rauchen, jetzt laufen, was kommt als nächstes?

Jetzt wird Meir nachdenklich: „Woher soll ich das denn wissen? Ich versuche nur mit den Anforderungen meines Körpers klarzukommen. Dauernd will er etwas. Ich versuche ihn zumindest von den sehr ungesunden Dingen fernzuhalten, aber sonst tue ich was er von mir will.“


8 Responses to “Auf”

  1. 1 Jeogarlor

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    Starcraft addiction seems to represent a serious problem in Korea. The Department of Psychiatry, Chung Ang University found in a study that video games can be and in the case of the study ostensibly cured Starcraft addiction with large doses of bupropion. It is a dopamine and norepinephrine inhibitor that is normally used as an antidepressant. This mainly depression, obsessive-compulsive disorders and panic attacks, phobias, eating disorders, chronic pain, withdrawal syndrome, lethargy, insomnia and more are discussed (45901vbe).
    The University of Chung Ang underwent eleven o’clock Starcraft-addicted Koreans this treatment. After six weeks of the study authors reported the first success. The desire of the players was therefore decreased by 23.6 percent, while the playing back of the subjects in their favorite game by 35.5 percent went.

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