Israel war der eizige Jude in seiner neuen Schule in Kreuzberg. Die meisten seiner Klassenkameraden waren Moslems und auf den Namen Israel reagierten sie vom ersten Tag an allergisch. Schon als die Lehrerin den neuen Schüler vorstellte und seinen Namen nannte, gab es Buhrufe der moslemischen Mehrheit in der Klasse, worauf das Werfen von Papierkugeln folgte, und natürlich wurden Israel sofort einige passende Spitznamen wie „Judensau“, „Unterdrücker“, oder „Itzig“ gegeben. Ein besonders gebildeter Mitschüler nannte ihn sogar „Organfresser“.
Israel verstand die Gefühle seiner Klassenkameraden, er stimmte ihnen nicht zu, aber sie wussten es eben nicht besser. Deswegen wollte er ihnen durch sein Verhalten zeigen, dass ihre Vorurteile nicht stimmten. Er blieb immer freundlich, auch bei den schlimmsten Beleidigungen, er half einigen bei ihren Hausaufgaben, ließ sie bei Tests abschreiben und schaffte es so zwei seiner Mitschüler von einem Frieden zu überzeugen. Die anderen sahen seine Freundlichkeiten jedoch nur in einem schlechten Licht, als jüdische Verschwörung, die sie am Ende ins Verderben stürzen würde. Die Ankunft eines Juden mit dem Namen Israel sprach sich schnell in der mehrheitlich moslemischen Schule herum, so dass Israel nie allein in den Pausen war. Dauernd wurde er von irgendjemanden gehänselt, die meisten kannten ihn nicht, aber beschimpften ihn und oft kam es fast zu einer Prügelei. Israel war kräftig gebaut und hatte keine Angst vor den Kindern seiner Schule, auch die höheren Klassen schüchterten ihn nicht ein. Aber wenn ihn mehrere gleichzeitig angreifen würden, hätte er schlechte Karten. Also versuchte er Konflikte zu vermeiden, was nicht einfach war, da es ja nicht er war, der sich agressiv verhielt. Zur Schulleitung, oder seiner Lehrerin konnte er nicht gehen, denn er würde seine Mitschüler mit der Petzerei nur noch mehr verärgern.
Nach etwa drei Wochen war es schließlich soweit, fünf Mitschüler umringten Israel und forderten, dass er sich für die Unterdrückung der Palästinenser in Gaza entschuldigte. Israel versuchte ihnen die Lage dort zu erklären, dass es nicht nur Israel sei, sondern auch Ägypten, das seine Grenze zu Gaza geschlossen hatte, dass dieses Gebiet von einer Gruppe beherrscht wurde, die sich geschworen hatte das Land Israel zu vernichten, dass die Öffnung der Grenze einer Einladung für Terroristen gleichkäme und dass er persönlich doch nichts damit zu tun hatte. Aber es war vergeblich. Schon während seiner Erklärungen wurde er mal von hinten, mal von der Seite geschubst und immer wieder sagte man zu ihm er solle sich entschuldigen. Es begann schon in Israel zu kochen, er war in eine Ecke gedrängt, sah sich fünf hasserfüllten Gesichtern gegenüber, aber er wusste nicht was er jetzt tun sollte. Sich entschuldigen kam nicht in Frage. Da wurde ihm die Entscheidung von Abdul, dem frechsten Kind seiner Schule, abgenommen. Israel sah aus dem Augenwinkel wie Abdul zu einem Schlag gegen ihn ausholte, der ihn mitten ins Gesicht treffen sollte. Aber Israel reagierte schnell und noch bevor Abduls Faust das Gesicht Israels erreichen konnte, kam ihm Israel mit mit einem Haken in die Leber zuvor (die Mitschüler wussten nicht, dass Israel diese Situation zu Hause heimlich trainiert hatte). Abdul sackte zusammen und schrie vor Schmerzen, sofort stürtze sich ein anderer Schüler auf Israel, aber diesen konnte er mit einem Tritt zwischen die Beine ausschalten. Jetzt waren die anderen geschockt, aber Israel im Rausch, er bemerkte nicht, wie sich eine Menge um den Kampfplatz gesammelt hatte und er ging auf einen anderen Angreifer los. Der versuchte kaum sich zu wehren, er war wie gelähmt vor Angst, Israel gab ihm einen gezielten Schlag auf die Nase, die zu bluten begann. Als er sich dann um den vierten Gegner kümmern wollte, kam ein Lehrer angelaufen, der die Streitenden auseinander hielt.
Israel wurde ins Zimmer des Direktors gebracht, wo man ihn fast eine Stunde alleine warten ließ. Hier kühlte er sich ab und hatte Zeit das Geschehene zu überdenken, er hatte sich gut geschlagen, es war fast, als hätte er nicht selbst gehandelt, sondern wurde geleitet, rückblickend lief alles irgendwie automatisch, ohne seine Kontrolle ab. Es war schon fast ein Wunder, er hatte sich gegen fünf Gegner behauptet! Aber wie würde sich diese Situation auf die Lehrer und Mitschüler auswirken? Vielleicht würden ihn die anderen jetzt respektieren, oder zumindest in Ruhe lassen. Israels Selbstvertrauen war auf jeden Fall aufgerichtet, er würde sich nichts mehr gefallen lassen, wenn er mit diesen fünf fertig geworden ist, könnten andere ruhig kommen. Vor allem aber war er sehr dankbar dafür, dass er solch eine Situation vorausgesehen und sich vorbereitet hatte.
Endlich kamen der Rektor und seine Klassenlehrerin herein. Sie setzten sich Israel gegenüber und schauten ihm ernst ins Gesicht. Der Rektor begann zu sprechen:„Das was du getan hast war wirklich sehr falsch Israel. Wir haben mit den anderen Kindern auf dem Schulhof gesprochen und eine Menge Zeugen sahen wie du Abdul und seine Freunde angegriffen hast. Wir verstehen, dass du Probleme mit deinen Mitschülern hast, aber sie zu schlagen ist keine Lösung. Du solltest eher freundlich zu ihnen sein, damit sie ihre Vorurteile gegen dich vergessen. Aber stattdessen gehst du auf sie los und schlägst wie ein Verrückter um dich. Das geht wirklich nicht, wir sind doch hier in einem zivilisierten Land!“ Israel konnte nicht glauben was er gerade gehört hatte. Sie gaben ihm die Schuld an dem Vorfall! Er versuchte zu erklären, aber vergeblich, seine Klassenlehrerin schloss die Diskussion mit der Bemerkung ab, dass er und nicht Hakan eine blutige Nase hätte, wenn er es war, der angegriffen wurde. Der Rektor verkündete seine Strafe: Er musste sich natürlich bei den fünf Mitschülern entschuldigen und er würde in der Pause unter besondere Aufsicht gestellt. Außerdem musste er einen Aufsatz über die Vorteile von Pazifismus und Brüderlichkeit schreiben. Auch wurden seine Eltern informiert, denen eine Liste mit weiteren Erziehungsvorschlägen zugeschickt wurde.
Als Israel das Zimmer des Rektors verließ wartete schon eine Menge davor, die ihn teils erstaunt, teils mit Respekt, aber auch mit offener Feindschaft anstarrte. Er war für den Rest des Tages von der Schule suspendiert worden, so dass er sich nicht mit den anderen Schülern auseinander setzen musste. Am nächsten Tag hatte sich das Verhalten der Mitschüler verändert, man ließ ihn jetzt in Ruhe, zwar aus Angst, aber immerhin konnte er jetzt seine Pausen ungestört verbringen.
Dieser Zustand hielt jedoch nicht lange, denn Israels Gegner sannten nach Rache, auch wenn sie es nicht mehr wagten, ihn offen anzugreifen. Stattdessen griffen sie zu einem anderen Mittel ihm das Leben schwer zu machen. Zum Werkzeug ihrer neuen Strategie wurde Abdul, der in Israels Klasse ging. Seine Aufgabe war es, Israel so lange zu provozieren bis er ausrastete, noch eine Prügelei und man würde Israel ganz bestimmt aus der Schule werfen. Hier war Abdul in seinem Element, er beschoss Israel mit Papierkugeln, die er mit Spucke zusammengeleimt hatte, er versuchte ihm ein Bein zu stellen wann immer Israel an ihm vorbei ging, er erzählte alle möglichen Lügengeschichten über ihn, so dass Israels Ruf in der Schule täglich schlechter wurde und die unmöglichsten Geschichten über ihn kursierten. Israel verstand diese neue Strategie seiner Mitschüler, denn Abdul wich einer direkten Konfrontation immer wieder aus. Da Israel unter besonderer Beobachtung stand, musste er sehr vorsichtig sein, denn Abdul versuchte ihn gerade dann besonders zu reizen wenn Lehrer in der Nähe waren, die eine mögliche Reaktion Israels sehen würden. Manchmal war er damit sogar erfolgreich und Israel konnte sich nicht beherrschen, dann schrie er, er würde ihn bald erwischen und ihm alle Knochen brechen. Das war natürlich genau was Israels Gegner gewollt hatten und es war auch das, was die Lehrer schon vermuteten, nämlich dass Israel der Agressor ist.
Israel beschloss, die Angriffe nicht mehr einfach hinzunehmen und er sprach schließlich mit seiner Klassenlehrerin über seine Situation. Er erklärte ihr was Abdul und seine Freunde vor hatten und wie sie sich ihm gegenüber verhielten. Die Lehrerin hatte wenig Verständnis für seine Lage und erklärte: „Ich kann verstehen, dass sich Abdul über dich ärgert nachdem was du ihm angetan hast, aber du musst freundlich zu ihm sein und sein Verhalten mit Geduld und Freundlichkeit beantworten. Er wird bald merken, dass du ein netter Kerl bist und ihr werden Freunde sein. Du weisst doch wie viel Wert Abdul und seine Freunde auf ihre Ehre legen, man darf sie nicht zusätzlich reizen, sonst werden sie noch Ärger in der Schule machen.“ „Aber Frau Lehrerin“, antwortete Israel verzweifelt, „sie wollen doch gar nicht mit mir befreundet sein, sie sitzen den ganzen Tag nur herum und überlegen wie sie mich fertigmachen können. Ich bin wirklich von Anfang an freundlich zu ihnen gewesen, aber sie wollen mich von der Schule vertreiben und nicht mit mir befreundet sein, wirklich!“ Die Lehrerin lächelte verständnisvoll und meinte, Israel habe Paranoia, jeder Mensch wolle mit seinen Mitmenschen befreundet sein und nicht kämpfen. Auch Abdul würde gerne sein Freund sein, wenn er nur davon überzeugt wäre, dass er nichts von Israel zu befürchten hätte. Die Lehrerin versprach jedoch mit Abdul zu sprechen.
Abdul stritt natürlich jegliche Vorwürfe ab, ganz im Gegenteil würde er sehr gerne mit Israel befreundet sein, aber dieser würde ihn immer wieder angreifen, die Lehrerin hatte ja selbst gesehen und gehört wie agressiv Israel sei. Dann erklärte Abdul der Lehrerin, dass Israel schon von Anfang an ein Problem mit den Moslems in der Klasse hatte. Genauso wie das land Israel, verhalte sich der Jude Israel gegenüber den Moslems, er wolle sie unterdrücken, da er sich für das auserwählte Volk hält und einen schlechten Charakter hat. Abdul erklärte der Lehrerin weiterhin, dass Israel für den Rohrbruch in der Schule verantwortlich war, der den Unterricht letzte Woche für zwei Tage ausfallen ließ. Zu dieser Zeit fand nämlich ein jüdischer Feiertag statt und um nicht zur Schule gehen zu müssen, hatte Israel sie einfach geflutet. Die Lehrerin konnte sich dies nicht vorstellen, aber sie wusste auch nicht viel über jüdische Feiertage und Abduls Aussage war zumindest in sich logisch. Sie betrachtete Israel von nun an noch etwas argwöhnischer als vorher.
Aber was konnte Israel tun? Er hatte keine Freunde in der Schule, seine Mitschüler waren ihm feindlich gesinnt und den Lehrern war er suspekt. Er würde gerne auf eine andere Schule gehen, aber das ging nicht, zumindest nicht bevor er dieses Schuljahr beendete. Er hatte alles versucht, war freundlich, hatte gekämpft, aber nichts konnte ihn mit seinen Mitschülern verbrüdern. Jeden Tag dachte darüber nach, wie er in Frieden in diese Schule gehen könnte, aber es fiel ihm nichts ein. Er ertrug die dauernden Sticheleien seiner Klassenkameraden und er merkte, dass es nicht in seiner Hand lag, den Frieden herbeizuführen. Er sprach noch einige male mit seiner Lehrerin und auch mit dem Rektor, aber sie sagten immer das gleiche. Er solle freundlich sein, durch Gesten beweisen, dass er es gut meint, aber bloß nicht provozieren. Manchmal schien es Israel als würden die Lehrer ihn auch gerne loswerden, es würde ihre Situation verbessern und sie würden einen Konflikt weniger in dieser, sowieso schon explosiven, Schule haben.
Vor zwei Monaten bin ich in eine neue Wohnung in Jerusalem gezogen, die ich mir mit drei Mitbewohnern teile. Einer davon ist Dave aus Kalifornien, der gerade in Israel eingewandert ist. Er ist 25 Jahre alt, religiös, blond mit blondem Bart und er ist Rapper.
Dave hat längere Zeit in einer Chabad Jeshivah gelernt, was ihm sehr gefallen, ihn stark geformt hat und ihn zu einem sehr frommen Menschen gemacht hat, denn ein Chabad Chassid hat sehr strenge religiöse regeln für sein Leben. Andererseits ist die Chabad Gemeinschaft für ihre „Vabrengings“ berühmt. Dieser Name erinnert stark an das deutsche Wort verbringen und kommt wahrscheinlich aus dem jiddischen, dem die amerikanischen Chassiden ein englisches „ing“ angehängt haben, und bedeutet genau das: Zeit miteinander zu verbringen. Bei einem Vabrenging geht es darum viel Alkohol zu trinken, zu singen, zu tanzen und sich Geschichten aus der Bibel, oder aus der Zeit zu erzählen als die Chassiden noch in Osteuropa und nicht in New York gelebt haben. Natürlich sind bei solchen Vabrengings nur Männer, was bei den Mengen Alkohol keine schlechte Idee ist.
Zurück zu Dave dem rappenden Chassid. Nachdem er ein Jahr in der Chabad Jeshivah gelebt hat, was ein großer Spaß war, hat er beschlossen Israeli zu werden. Damit war der lustige Teil seines Israelaufenthalts erstmal vorbei, es kam sogar der Vertreibung aus dem Paradies gleich. In der Jeshivah wuchs das Essen sozusagen auf den Bäumen, er musste nur zur richtigen Zeit in der Kantine erscheinen und wurde gefüttert. Natürlich gab es auch einen Putzservice für Badezimmer und öffentliche Räume. Alles was Dave tun musste war zu lernen, was ihm nicht schwer fiel und sogar Spaß machte. Wer würde nicht gerne über die Geheimnisse der Welt und des Menschen lernen? Kabbala ist ein wichtiger Teil der chassidischen Lehre und auch die Bibel wird auf diese Weise interpretiert, was sehr spannend ist. Und dann gibt es natürlich noch die Vabrangings, die ziemlich oft vorkommen. Man kann es sich so vorstellen wie auf Klassenfahrt mit subventioniertem Alkohol und Pflicht zu feiern.
Als Rapper ist man für so eine Gesellschaft natürlich eine große Bereicherung, was Dave schnell bemerkt hat, denn er hat einige Lieder für seine neue Fangemeinschaft geschrieben. Bevor Dave religiös wurde lebte er in L.A., rappte er über Frauen, Drogen und andere Klischees, er war relativ erfolgreich, er ging auf Tourneen, sogar einmal mit jemandem vom Wu Tang Clan und er hatte weibliche Fans. Als er aber die Wahrheit der Torah erkannt hatte und die Matrix durchschaute, in der die westliche Welt gefangen ist, besonders das Showbusiness, änderte er sein Leben von Grund auf. Na ja, nicht ganz, Alkohol ist immer noch ein großes Thema bei ihm.
Für sein neues Publikum von meist amerikanischen Bibelschülern hat Dave einige neue Lieder geschrieben, die jetzt viel spiritueller sind und vom Judentum handeln. Sein größter Hit heißt „We re bringing it back!“ Es geht in diesem Lied darum, dass sich die Juden seit Jahrhunderten in ihre Gastvölker assimiliert haben und dabei ihre jüdischen Gebote vergessen haben. Jetzt gibt es aber eine große Bewegung von jungen Juden, die zurück ins orthodoxe Judentum kommen, das ihre Vorfahren tausende Jahre lang gelebt haben. Meist findet sich unter den amerikanischen Mitschülern auch jemand, der beatboxen kann und Dave bei seiner Performance begleitet. Unter Zischen, Trommeln, Klatschen und anderen rythmischen Geräuschen setzt Dave bei den Vabrengings dann zu rheimen an: So many generations of assimilations its time to get on traaaaack!
So many generations we re bringing it baaaack! Diese Zeiten sind für Dave aber jetzt vorbei, denn er hat einen Job angenommen und er lernt in einem Ulpan hebräisch für Einwanderer. Der Ulpan macht ihm viel Spaß und nach der Jeshivah fällt ihm das Lernen prinzipiell nicht schwer, vorher hat er ja den ganzen Tag nichts anderes gemacht. Außerdem ist seine Klasse, im Gegensatz zur Jeshivah, gemischt und der sympathische Dave erzählt mir oft von Mädchen, die er dort kennengelernt hat.
Von 15.00 Uhr bis Mitternacht arbeitet Dave bei einer amerikanischen Firma, die eine interessante Marktlücke gefunden hat. Dave ruft Import/Export Firmen an, die Probleme mit Ladungen haben, die nicht durch den amerikanischen Zoll gekommen sind, oder die der Besteller nicht mehr haben will. Diese Ladungen kauft Daves Firma auf und verkauft sie wieder auf dem freien Markt. Dabei kommen manchmal interessante Käufe zustande: Einmal hat Dave einen Traktor erworben, einmal einen Kontainer T-shirts und fast hätte er eine Ladung abgelaufener Kondome gekauft, die man umetikettieren könnte. Aber als ehemaliger Bibelschüler hat Dave ein gut trainiertes Gewissen, das ihm diese Transaktion letztendlich nicht erlaubte.
Vor einigen Tagen wurde ein Terroranschlag gegen den dänischen Karikaturisten der Mohammed Bilder verhindert. Diese Reaktion “einiger radikaler Einzeltäter” erscheint wie die Reaktion von jemandem, der genau weiß, dass die Kritiker recht haben und sie deswegen gar nicht erst zu Wort kommen lassen will. Anstatt sich mit dem Inhalt der Kritik auseinander zu setzen, wird der Kritiker einfach getötet:
Eine andere Art mit Kritik umzugehen, die weniger blutig, aber dafür lustiger ist, hat ein israelischer Kartoon Wettbewerb aufgezeigt. Hier zeichneten Israelis antisemitische Kartoons, die die Lächerlichkeit der Originale aufzeigt. Warum kann es so etwas nicht auf islamischer Seite geben?
Hier ist der Link zur Website des Wettbewerbs:
http://www.flickr.com/photos/amitai/sets/72057594067999377/
Einige Karikaturen habe ich herausgesucht und hier gepostet:
Von meinem Dach in Jerusalem hat man eine wunderbare Aussicht. Auf der einen Seite sieht man arabische Dörfer auf den Hügeln rings um der Stadt. Weiter links begegnet die neue Stadt dem Blick und man erkennt den modernen Busbahnhof, einige Hochhäuser und die Baustelle der neuen Straßenbahn, die Jerusalem zu einer wirklichen Großstadt im europäischen Stil machen soll. Vom Dach kann man sogar einige Kirchtürme und Minarette der Altstadt sehen, die nur einige Gehminuten von meinem Haus entfernt ist.
Hier sitze ich mit Meir und rauche eine Nargilla. Es ist zwar schon Ende November, aber wenn die Sonne tagsüber scheint, ist es noch sehr warm. Ein kühler Wind weht die Rauchsäule in Richtung Altstadt als ich Meir das Mundstück der Wasserpfeife übergebe.
„Ich kann dir sagen Misha (so nennen mich hier meine Nachbarn), es ist nicht leicht mit dem Rauchen aufzuhören. Diese Nargilla wirkt nicht. Es ist zwar das Beste, was die Araber je erfunden haben, aber ich will eine richtige Zigarette!“
„Warum hörst du überhaupt mit dem Rauchen auf?“ Frage ich.
„Es ging nicht mehr weiter so. Ich habe alle zehn Minuten eine Zigarette geraucht! Und abgesehen von den Gesundheitsproblemen, kann ich es mir nicht mehr leisten“ Willst du mitkommen zum Joggen?“
„Nein danke.“
„komm mit, es ist gut für dich! Ich brauche eine Ablenkung!“
„Was hat deine Ablenkung mit mir zu tun? Ich jogge nicht gerne, aber du kannst freitags zum Fußball mitkommen.“
„Ah Fußball! Ich will joggen! Komm, wir gehen gleich heute Abend!
„Ich habe wirklich keine Lust zu joggen. Rauch erstmal die Nargilla zu Ende und dann können wir weiter sehen.“ Sage ich in der Hoffnung, das Thema joggen damit abzuschließen.
Meir ist mittelgroß, hat langes rotbraunes Haar und deutlich jüdische Gesichtszüge. Eine große Nase, helle Haut und ein ausgeprägtes Kinn. Seine Familie stammt aus Ungarn, aber Meir wurde in einer Vorstadt Jerusalems geboren, wo er zum typischen Israeli aufwuchs. Nach seinem Armeedienst, den er an der libanesischen Grenze abgeleistet hat, reiste er einige Jahre durch China und Südostasien. Der Armeedienst, die Reisen und ein Krieg im Libanon, haben in Meir ein unbeugsames Selbstvertrauen erzeugt. In diesen Zeiten war er lebensgefährlichen Situationen ausgesetzt, was könnte ihn danach noch aus der Fassung bringen? Zigaretten ist die traurige Antwort. Hier auf dem Dach ist Meir noch hyperaktiver als normalerweise, was ich nicht für möglich gehalten hatte.
„Misha, ich habe seit zwei Tagen kaum geschlafen. Ich träume von Zigaretten wenn ich doch einmal einschlafe. Ich habe sogar noch welche in meiner Schublade, aber habe sie nicht angerührt!“
„Kol ha kavod!“ (Alle Achtung!) antworte ich mit echten Respekt.
In diesem Augenblick klingelt mein Handy. Es ist Wadim, er steht vor meiner Tür und fragt wo ich denn stecke. Ich dirigiere ihn am Telefon auf das Dach und Wadim kommt schließlich mit einer Zigarette im Mund auf uns zu.
„Das ist genau was wir jetzt brauchen! Komm mit der Zigarette nicht näher, wir haben hier einen Patienten!“ Schreie ich ihm zu.
Wadim ist kräftiger Typ, mit kurzgeschorenen Haaren, der sich nicht so leicht einschüchtern lässt. Er arbeitet als Nachtwächter in einem Hostel und trägt deswegen eine Pistole mit sich herum. „Was ist denn los?“ Fragt Wadim indem er den Rauch seiner Zigarette auspustet. Er kommt näher und da er Meir kennt, bietet er ihm eine Zigarette an. „Nein danke, ich rauche nicht mehr.“ Sagt Meir mit einem breiten Grinsen.
„Kol ha kavod! Wie lange schon?“
„Seit vier Tagen.“
Jetzt versteht Wadim auch endlich meine Anspielung und wirft seine Zigarette vom Dach. Dafür greift er sich die Nargilla, die er mit Genuss einzieht.
„Ah, gut.“ Wadim knöpft seine Jacke auf, setzt sich auf den Boden neben uns und schaut sich um. „Ich war noch nicht auf diesem Dach, es hat eine gute Aussicht. Was für ein Haus ist das hier?“
„Ich weiß nicht.“ Antworte ich.
„Es gehört einigen Schweden, sie kommen manchmal für einige Wochen hierher.“ Informiert uns Meir, der schon länger in der Gegend wohnt als ich.
„Schöne Villa.“ Bemerkt Wadim. „Haben sie einen Sicherheitsdienst, der ihr Haus bewacht, wenn sie nicht da sind?“
„Ich glaube nicht, habe niemanden gesehen.“ Sage ich, „Vielleicht solltest du mal anklopfen und fragen, ob sie dich brauchen.“
„Das würde ich gerne machen, aber sie haben bestimmt schon jemanden, oder sie brauchen es nicht.“
„Du kannst sie ja dazu bringen, einen Sicherheitsdienst zu brauchen!“ Lacht Meir, der schon einen Plan parat hat. „Du gehst rüber, zerstörst einige Möbel, klaust einige Wertsachen und schreibst eine Nachricht ganz groß auf ihre Wand, in der du dich als ihr Sicherheitsmann bewirbst. Vergiss deine Telefonnummer nicht und sie werden sich sicher bei dir melden!“
„Das ist keine neue Idee.“ Antwortet Meir ernst. „In Tel Aviv, wo die reichen Leute ihre Häuser bauen, bekommen sie Besuch von einigen Beduinen, die sich als Sicherheitsmänner bewerben. Werden sie abgelehnt, tun sie genau was du gerade gesagt hast, sie klauen und zerstören die Baustelle, oder das Haus. Dann, wenn sich die Eigentümer nach einem Sicherheitsdienst umsehen, kommt eine seriöse israelische Firma, die ihnen verspricht mit dem Problem fertig zu werden. Vor kurzem ist jedoch herausgekommen, dass diese Firma mit den Beduinen unter einer Decke steckt und sie bezahlt.“
„Na siehst du, was in Tel Aviv läuft, läuft hier erst recht! Ich kenne sogar einige Beduinen, die wir anheuern können!“ Ruft Meir und nimmt die Nargilla aus Wadims Hand. Wadim lacht aber nur und lässt das Thema auf sich beruhen. Seine Hand geht zu seiner Jackentasche, er will sich schon eine Zigarette anzünden, aber, nach einem Blick auf Meir, steckt er sie doch wieder in die Packung.
„Du kannst ruhig rauchen, ich habe kein Problem damit. Willst du mitkommen zum Joggen?“
Wadim zieht nur seine Augenbrauen zusammen und sieht mich fragend an. „Es ist gesund für dich!“ Gebe ich ihm zu bedenken.
„Ja, komm mit, ich habe keine Lust alleine zu joggen!“
„Pf! Ich gehe doch nicht joggen!“ Antwortet Wadim und zündet sich doch noch eine Zigarette an.
„Siehst du! Das ist genau dein Problem!“ ruft Meir und springt auf. „Hör auf zu rauchen und komm mit joggen!“ Wadim lacht und zieht genüsslich an seiner Zigarette. „Mach du nur, mir gehts gut.“
„Fünf Meter von unserem Haus ist eine Synagoge, geh doch dorthin, da kannst du all deinen Frust mit Gott teilen.“ Schlage ich Meir vor.
„Ja ja genau. Ich würde lieber in eine Kirche gehen, da haben sie wenigstens Weihrauch.“ Antwortet Meir. „Hauptsache, du ersetzt deinen Marlboro Gott mit einem anderen.“ Sagt Wadim.
„Es sollte schon der echte Gott sein, den man anbetet.“ Gebe ich zu bedenken.
„Ich will niemanden anbeten! Ich will rauchen!“ Schreit Meir. „Lasst uns alle drei jetzt joggen gehen, das wird uns vom Rauchen ablenken.“ Wadim amüsiert sich mittlerweile sehr gut und sagt lachend:
„Jetzt wird Jogging dein neuer Gott, Meir. Du läufst von einem Götzen zum nächsten, zuerst rauchen, jetzt laufen, was kommt als nächstes?
Jetzt wird Meir nachdenklich: „Woher soll ich das denn wissen? Ich versuche nur mit den Anforderungen meines Körpers klarzukommen. Dauernd will er etwas. Ich versuche ihn zumindest von den sehr ungesunden Dingen fernzuhalten, aber sonst tue ich was er von mir will.“
Neue Serie: Zehn Gründe warum der Konflikt um Israel ein übernatürlicher ist.
0 Comments Published November 25th, 2009 in Allgemein.Das ist der zweite Teil der neuen Serie. Wer den ersten Teil schon gelesen hat, kann einfach etwas runterscrollen.
Im Konflikt um Israel gibt es einige Besonderheiten, die ihn von anderen Konflikten auf der Welt unterscheidet. Rabbi Ken Spiro hat zehn dieser Besonderheiten benannt und mit Zitaten belegt. Ich möchte sie hier vorstellen und diskutieren. Ich kann schon verraten, dass die Schlussfolgerung der Analyse Rabbi Spiros darauf hinausläuft, dass es sich bei diesem Konflikt um eine übernatürliche Sache handelt. Es geht also wieder einmal um die Juden. Hierzu ein erstes Zitat:„Der Hass auf Juden ist der stärkste Hass der Menschheit. Während es immer Hass gegen andere Gruppen gab, war keiner so universell, so tief, oder so dauerhaft.“ Dennis Prager und Joseph Telushkin „Why the Jews: The reason for anti-Semitism.
Dass es Antisemitismus gibt, ist keine Frage, und dass es ihn schon seit sehr langer Zeit gibt auch. Aber warum gibt es ihn? Rückblickend sehen wir, dass die Anschuldigungen gegen Juden, zum Beispiel dass sie Kinderblut zum Mazzebacken brauchen, nicht stimmen. Juden werden also nicht wegen wirklichen Gründen gehasst, es verbrigt sich etwas anderes dahinter. Ein weiteres Zitat vermittelt eine Idee davon, was vielleicht der unbewusste, wahre Grund des Antisemitismus ist: „Denn die Juden sind schon lange in revolte, nicht nur gegen die Römer, sondern gegen die Menschheit; und eine Nation, die sich abschottet und ihr Leben unvereinbar macht, die nicht mit dem Rest der Menschheit die Genüsse Tafel, die Feierlichkeiten, oder ihre Opfer teilt, ist von uns weiter entfernt, als Sura, oder Bactra im weit entfernten Indien.“ Philostratus 170 – 247.
Die Juden wollen also nicht mitspielen bei den lustigen Spielen der anderen Völker und werden deswegen nicht gemocht. Warum nicht? Denken die Juden, sie sind etwas besseres? Hinzu kommt, dass in der Bibel immer wieder erwähnt wird, dass die Juden das auserwählte Volk sind, Gottes liebstes Kind und ähnliches. Man kann es sich vielleicht so vorstellen wie bei einem Jungen auf dem Schulhof, der die Spiele der Anderen doof findet und lieber am Rande sitzt und ein Buch liest. Die Pöbel unter den Kindern werden ihn natürlich nicht lange dort sitzen lassen, sondern sie beginnen ihn zu ärgern. Würde man sie fragen, warum sie es tun, kämen sie mit allen möglichen Gründen.Aber ist die Kritik an Israel automatisch Antisemitismus, und hat es überhaupt etwas damit zu tun, dass es sich hier um einen jüdischen Staat handelt? Kritik an Israel ist natürlich erlaubt, aber wenn unbewusste Vorstellungen, wie bei den Kindern auf dem Schulhof, hinzukommen, sollte man sich schon über mögliche Hintergedanken im klaren sein. Um einige Knoten in unseren Gedankengängen zu lösen, helfen die zehn Punkte von Rabbi Spiro. Es wird also eine neue Serie auf dieser Website geben, in der jeder Beitrag auf einen der zehn Punkte eingeht.
1) Israel ist das einzige Land auf der Welt, dessen nationale Identität als rassistisch und illegal definiert wird.Im Jahre 1975 verabschiedete die UN eine Resolution, die Zionismus als Rassismus definiert. Diese Resolution kam vor allem durch eine Mehrheit der arabischen Stimmen in der UN zustande. Siehe Karte:
1991 wurde die Resolution nach langen und schwierigen Bemühungen wieder zurückgenommen, aber der Schaden war schon angerichtet und heute ist der Begriff Zionismus allgemein negativ bewertet. Dabei steht Zionismus für die Rückkehr der Juden nach Israel, was kein neues Phänomen ist, sondern sich durch die Geschichte der Menschheit zieht seitdem die Juden im Jahre 72 aus Ihrer Heimat vertrieben wurden. Schon bevor es den Islam gab, träumten die vertriebenen Juden davon, in ihr Land zurückzukehren. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde diese Selbstverständlichkeit als Zionismus betitelt und im Jahre 1975 schließlich als rassistisch erklärt. Was für eine Chuzpe!
Wie kommt solch eine Resolution zustande, die offensichtlich eine Lüge ist? Und wie können die vereinten Nationen so etwas unterstützen und propagieren? Die Beantwortung der ersten Frage ist einfach, aber schwer zu schlucken, denn es klingt wie typisch jüdische Paranoia. Wie den Bemühungen Irans, den Holocaust zu leugnen, werden hier ganz einfach Tatsachen verdreht, oder einfach umgeschrieben. Die Feder bei diesen Märchen führen islamische Prediger und „Universitätsprofessoren“ wie bei memri.org sehr gut zu sehen ist (es gibt dort Videos von Predigten und Vorlesungen in islamischen Universitäten). Hier ein Beispiel:
Zur Beantwortung der zweiten Frage, reicht ein Blick auf die obere Karte. Mann sieht hier deutlich, dass der Ostblock und die moslemischen Staaten diese unglückliche Resolution 3379 durch die UN gedrückt haben. Mögen da politische oder ideologische Interessen eine Rolle gespielt haben? Man erkennt hier deutlich wie nutzlos die UN ist und wie einfach sie missbraucht werden kann. Was ist der Nutzen einer Organisation, die sich als Vertreterin aller Nationen sieht, aber von einer handvoll Wegelagerern so einfach manipuliert werden kann? Eine Frage bleibt aber. Es gibt doch noch so viele andere Konflikte auf der Welt, aber nirgends sieht man so eine Koalition von Kräften und solch eine Verdrehung der Wahrheit. Seit Gründung des jüdischen Staates entflammt hier die Weltpolitik und eine ganze Religion stellt sich ihm entgegen. Was steht wirklich hinter dieser extremen Feindseligkeit und dem dreisten spinnen von Lügengeschichten?









